DevIAT

Entwicklung Impliziter Assoziationstests (IATs) zur Erfassung Übergriff begünstigender Einstellungen

Sexuelle Grenzverletzungen treten in allen Gesellschaftsschichten auf. Betroffene von Grenzverletzungen können teils langwierige körperliche und emotionale Folgen erleiden. Die Täter sexueller Übergriffe gegen Erwachsene weisen oft bestimmte Überzeugungen über Sex mit Frauen, männliche Sexualität und Beziehungen zwischen Menschen allgemein auf. Im Projekt DevIAT sollen Methoden entwickelt werden um solche Überzeugungen zuverlässig zu erfassen.

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Hintergrund

„Motivation-Facilitation“-Modell sexueller Übergriffe nach Seto 2019

Sexuelle Grenzverletzungen treten in vielfältigen Formen auf. Die letzte große Aufmerksamkeitswelle wurde durch die MeToo-Bewegung ausgelöst, als Frauen aus aller Welt über sexuelle Übergriffe auch und besonders im Arbeitsalltag berichteten. Sexuelle Übergriffe können Menschen aller Altersklassen, aller Geschlechter und aus allen sozialen Schichten treffen und reichen von unerwünschten übergriffigen Bemerkungen über unerwünschte Berührungen bis hin zu penetrativen unerwünschten sexuellen Handlungen.

Sexuelle Übergriffe entstehen nicht von ungefähr. Situative, gesellschaftliche und Umweltfaktoren sind in der MeToo-Debatte vielfach diskutiert worden und spielen eine wichtige Rolle in der Entstehung sexueller Gewalt ebenso wie persönliche Eigenschaften auf Seiten der Täter.

Übergriff begünstigende Kognitionen

Zu den persönlichen Eigenschaften, die sexuelle Übergriffe begünstigen, zählen unter anderem bestimmte Überzeugungen über Sex mit Frauen, männliche Sexualität und Beziehungen zwischen Menschen allgemein. Solche Überzeugungen stellen einen Risikofaktor auch für zukünftige Übergriffe dar. Als potentiell veränderbare Risikofaktoren stellen sie auch ein wichtiges therapeutisches Ziel in der präventiven Arbeit mit Sexualstraftätern und anderen Menschen mit erhöhtem Risiko für zukünftige sexuelle Übergriffe dar. Überzeugungen dieser Art entstammen oft implizit, das heißt unbewusst, gehaltenen Theorien über das Funktionieren der Welt. Dadurch können sie dem bewussten Nachdenken nur schwer zugänglich sein. Außerdem stehen solche Überzeugungen oft den gesellschaftlich akzeptierten Haltungen entgegen und werden deswegen auch willentlich verborgen. Die zuverlässige Erfassung dieser Überzeugungen ist deswegen mit Problemen verbunden, z.B. der Tendenz sozial erwünscht zu antworten oder einem schwierigen Zugang zu eigenen Überzeugungen.

Der implizite Assoziationstest (IAT)

Das Projekt DevIAT möchte diese Probleme überwinden. Im Rahmen des Projektes sollen Messverfahren entwickelt werden, die eine Erfassung ermöglichen ohne die Verfälschung durch soziale Erwünschtheit oder den schwierigen Zugang zu impliziten Theorien. Der sogenannte Implizite Assoziationstest (IAT) ist ein psychologisches Messverfahren, das eine solche Erfassung ermöglicht. Durch eine Computer gestützte Messung erlaubt der IAT Rückschlüsse auf implizit, d.h. unbewusst gehaltene Überzeugungen, z.B. über die Zusammengehörigkeit von Sexualität und Machtausübung oder typische Eigenschaften von Männern oder Frauen.

Das Vorhaben

Im Projekt DevIAT wollen wir die drei o.g. typischen Überzeugungen mit Hilfe der IAT zu messen versuchen. Hierzu werden zunächst in einer Entwicklungsphase die Eigenschaften der Messmethode für diesen spezifischen Zweck untersucht. Hierzu werden Daten in der Allgemeinbevölkerung erhoben. In einem zweiten Schritt soll die Angemessenheit der IAT für die klinische Diagnostik geprüft werden. Hierzu sollen auch verurteilte Sexualstraftäter untersucht werden. Das Projekt läuft seit September 2019 bis Februar 2021 am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der CharitéUniversitätsmedizin Berlin. Über den Link an der Seite gelangen Sie zu den gegenwärtig laufenden Umfragen.

Das Projekt DevIAT wird von der European Society for Sexual Medicine (ESSM) gefördert.